Geschichte

Die Keschde in der Pfalz

Ein hellgelb leuchtender Streifen zieht sich im Frühsommer, Mitte bis Ende Juni den grünen Haardtrand entlang, wenn die Esskastanien blühen. Die gelblich länglichen Blüten verströmen einen betörenden süßlichen Duft. Die mediterranen Bäume reihen sich hier so dicht aneinander wie sonst kaum nördlich der Alpen.

Das milde Klima der Pfalz lässt sie gut gedeihen, seit sie von den Römern angepflanzt wurden. Die Edelkastanien (lat. Castanea sativa) stammen ursprünglich wohl aus dem östlichen Mittelmeer und Schwarzmeerraum. Sie zählen zur Familie der Buchengewächse und sind mit Eiche und Buche verwandt.

In Deutschland ist die Edelkastanie eher eine Seltenheit, kennt man sie doch meist nur als Maroni geröstet auf Weihnachtsmärkten. Dann stammen sie in der Regel aus südlicheren Gefilden wie Italien, Frankreich oder dem Tessin. Maroni sind allerdings eine spezielle Sorte von Edelkastanien, es gibt mehr als 100 verschiedene davon! Und von der Rosskastanie unterscheidet sie sich nicht nur in ihrer Genießbarkeit, sondern auch im Aussehen der Ummantelung und in der Größe.

Die Pfälzer nennen sie "Keschde" und wissen ihren Wert wohl zu schätzen: Die Frucht, die im Herbst in den bunt gefärbten Wäldern gesammelt wird, schmeckt in vielen Variationen.
Auch das Holz wird aufgrund seiner Elastizität und Witterungsbeständigkeit vielseitig genutzt. Weinfässer wurden und werden aus Kastanienholz hergestellt.

Viel wichtiger war jedoch die Verwendung des Kastanienholzes im Weinberg. Zu Anfang der Erziehungsformen, beim Kammertbau der Römer, fand das Holz für den Kammertrahmen Verwendung. Nach und nach veränderten sich die Erziehungsformen und es wurde kein Rahmen mehr gebaut, sondern es wurden Zeilen angelegt, ähnlich wie heute. Alle vier bis fünf Reben wurde ein Holzpfahl eingefügt um den Drahtrahmen, der den Holzrahmen ablöste, festzuhalten. Diese Holzpfähle - Stickel genannt, wurden im Wald aus dem Kastanienholz gemacht.

Auch beim Hausbau wurde die Kastanie zusammen mit der Eiche eingesetzt. Doch viel wichtiger war die Frucht des Baumes, die in den Küchen Verwendung fand.

Schon bei den Römern erhielt jeder Legionär eine Ration Kastanien als Brotersatz. Auch die Pfälzer bedienten sich in allen Jahrhunderten im Wald um die Kastanien als Kartoffel- oder Brotersatz zu verwenden. So erzählen die Älteren noch heute, dass man alle zwei bis drei Tage in den Wald ging, wenn die Weinlese vorbei war, um sich einen Vorrat an Kastanien zu sammeln.

Ab Anfang oder Mitte Oktober kann man die Früchte lesen, je nach Vegetationsstand des jeweiligen Jahres. Die Ernte, die nicht gleich verbraucht wurde, wurde geschält und getrocknet und über die Winterzeit zubereitet.